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Dr. Peter Eisermann Die Varusschlacht im Egge-Gebirge Der Untergang der römischen Legionen in Reelsen Bad Driburg
27.04.2012 Im Jahre 2009 jährt sich
zum 2000. Mal die Varusschlacht, die nach Berichten römischer Autoren mit
einer vernichtenden Niederlage des römischen Heeres endete. Dabei wurden drei
Legionen mit den dazugehörigen Hilfstruppen (drei Alen Reiter und sechs
Auxiliarcohorten) fast vollständig aufgerieben (ca. 20.000 Mann). Varus
beging in der sich abzeichnenden Niederlage während des Kampfes Selbstmord.
Nur ganz wenigen gelang es, dem Gemetzel zu entkommen. Sie flohen nach Aliso,
das einzige römische Lager an der Lippe, das nach der Varusschlacht von den
Germanen nicht erobert werden konnte.
2011 Reelsen Bad Driburg
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Der Autor hat sich zum Ziel gesetzt, den wahren Ort vorzustellen, an dem Varus mit seinen Legionen, der XVII, XVIII und XIX unterging. Nach intensiver Spurensuche scheint nun das Schlachtfeld im Eggegebirge gefunden worden zu sein; fernab von Kalkriese. Berücksichtigt wurden vor allem im Gegensatz zu den Archäologen und Wissenschaftlern des Grabungsgeländes in Kalkriese die Überlieferungen der antiken Schriftsteller, die entscheidende Hinweise gaben. Eigene, sensationelle archäologische Funde stützen die Behauptung, das Varusschlachtfeld gefunden zu haben. Es wurde mit erhöhter Anstrengung an einer systematischen Auswertung von historischen Quellen und eigenen Funden gearbeitet, um die Beweise des wahren Kampfplatzes zum 2000- jährigen Jubiläum vorzulegen. Die Varusschlacht ist von großer historischer Bedeutung: den Römern gelang nicht das große Ziel, Germanien zu erobern und in das römische Weltreich einzugliedern. Nach weiteren Verlusten und wechselndem Kriegsglück wurde im Jahr 16 das Ziel der Unterwerfung Germaniens und Ausdehnung des Römischen Reiches bis zur Elbe endgültig aufgegeben. Über 700 Theorien, unzählige Veröffentlichungen konnten weder den wahren Verlauf noch den richtigen Ort dieser Schlacht klären. Zur Zeit hat sich die Ansicht von Theodor Mommsen durchgesetzt, dass sich dieses Schlachtfeld am Kalkrieser Berg bei Bramsche befindet. Diese Behauptung Mommsens ist leider in keiner Weise mit den Überlieferungen der antiken Schriftsteller in Einklang zu bringen. Der Ort dieser Tragödie muss östlich der Quellen von Ems und Lippe, im nahe gelegenen Waldgebirge liegen, nicht weit entfernt von Aliso, das an der Lippe geschanzt wurde. Kalkriese liegt von dieser relativ genauen Ortsangabe ungefähr 100 km entfernt und scheidet allein aus diesem Grunde aus. Die Leute, die diese Niederlage überlebt hatten und der Schlacht oder der Gefangenschaft entronnen waren, erzählten, hier seien die Legaten gefallen, dort die Adler von den Feinden erbeutet worden; sie zeigten, wo Varus die erste Wunde erhalten, wo er mit seiner unseligen Rechten sich selbst den Todesstoß beigebracht habe; wo Arminius von der Tribüne herunter eine Ansprache gehalten habe, wie viele Marterhölzer für die Gefangenen, was für Köpfgruben er habe herstellen lassen, wie er die Feldzeichen und Adler übermütig verhöhnt habe.“ Von Tacitus erfahren wir den ungefähren Ort der Varuskatastrophe:“ dann wurde der Heereszug zu den äußersten Brukterern geführt und alles zwischen den Flüssen Ems und Lippe verwüstet, nicht weit vom Teutoburger Wald (früher Osning), wo die Reste des Varus und der Legionen noch unbestattet liegen sollten!“ Wo siedelten die Brukterer: sie waren die westlichen Nachbarn der Cherusker, der Osning war die natürliche Grenze zwischen den beiden Stämmen. Die Aussage Tacitus - äußere Brukterer- bezieht sich aus seiner Sicht vom Rhein aus; die äußeren Brukterer müssen demnach die Östlichsten sein. Germanicus führte sein Heer also über die Quellen von Ems und Lippe bis an den Osning heran und verwüstete das gesamte Gebiet zwischen den beiden Flüssen und dem Rand des Osnings. Von hier soll es nicht mehr weit sein, wo noch die bleichenden Gebeine unbestattet lagen.“ Nicht weit“ kann nur bedeuten, dass es näher als einen Tagesmarsch entfernt war, Richtung Osten und keinesfalls Richtung Kalkriese, das ca. 100 km von dieser Ortsangabe entfernt liegt. Es ist schon erstaunlich, dass trotz dieser präzisen Ortsangabe des Tacitus, Kalkriese diese unhaltbare Varus- Hypothese aufgestellt hat. Von Strabon erfahren wir in seiner Geographika (17.1.4.41):“ Gegen diese Völker ist Misstrauen von großem Nutzen, weil diejenigen, denen man traute, den größten Schaden angerichtet haben, wie zum Beispiel die Cherusker und ihre Verbündeten, in deren Gebiet drei römische Legionen mit ihrem Feldherrn Varus Quintilius unter Vertragsverletzung hinterhältig vernichtet wurden. Das Varusschlachtfeld liegt also im Gebiet der Cherusker im Waldgebirge- „mittendrin“ - wie es früher auch immer hieß. Das verwüstete Brukterergebiet muß etwa zwischen den Quellen der Ems und Lippe vor den Pässen Veldrom und Buke vor dem Gebirge enden. Die Quellen von Ems und Lippe entspringen in der Senne. Caecina wird laut Tacitus vorgeschickt: damit er die Schluchten der Bergwälder erkunde und Brücken und Dämme anlege, wo sumpfige Wiesen und trügerischer Moorboden dies erforderlich mache. Dann betreten sie die trostlosen Stätten, die für den Anblick wie für die Erinnerung schauerlich waren. Das erste Lager des Varus zeigte durch weiten Umfang und die Ausmaße des Feldherrnplatzes die Arbeit von drei Legionen. Germanicus sieht ein sehr großes Lager, wie es von 3 Legionen geschaffen wurde, und auch die Größe der Kommandantur wird besonders erwähnt. Diese Beschreibung von Tacitus passt auf keinen Fall zu einem Marschlager, hier muss es sich um das große Sommerlager des Varus handeln. Nach der Überlieferung von Tacitus hat man das Sommerlager des Varus an den Pässen bei Horn, Veldrom , Altenbeken oder Bad Driburg zu suchen. Das Lager war wohl dazu bestimmt, dem römischen Heer auf dem Rückzug den Paß offen zu halten, auch ein Teil der Vorräte aufzunehmen. Es lassen sich aber durch die Überlieferungen weitere Aufschlüsse über die noch genauere Lage des Varusschlachtfeldes ziehen. So wussten die Römer auch den Wasserweg für ihre Feldzüge nutzbar zu machen. Bis nach Aliso konnten sie ihre Vorräte auf der Lippe transportieren. Die Lippelinie mit den Römerlagern in Abständen von ca. 20 km war für den Verpflegungstransport der Römer in die Mitte Germaniens extrem wichtig. Die „Lippestraße“ der Römer mündet bei Castra Vetera Xanten in den Rhein und führt flussaufwärts bis ins Quellgebirge vor den Teutoburger Wald. Wissenschaftlich sind von den Archäologen bisher die Römerlager Castra Vetera, Holstenhausen, Haltern, Berkinghausen, Oberaden und Anreppen belegt. Das in den Quellen immer wieder erwähnte Römerlager Aliso wird bei Paderborn-Neuhaus vermutet. Wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln beschrieben, muss der Ort der Varusschlacht in einem der Pässe des Teuteburger Waldes oder des Eggegebirges lokalisiert sein. Auf gar keinen Fall kann sich die Tragödie nach den Beschreibungen des Cassius Dio zugetragen haben, ein Heer das über –zig Kilometer im germanischen Urwald aufgerieben worden sein soll. Vielmehr wird das Gemetzel nach den Überlieferungen des Velleius Paterculus, Florus und Tacitus abgelaufen sein. Nach der Darstellung dieser antiken Autoren hat sich das Kampfgeschehen im Sommerlager des Varus und um dieses herum zugetragen. Tacitus gibt von allen Autoren die genaueste Beschreibung des Schlachtfeldes anlässlich des Besuches von Germanicus während der Rachefeldzüge (Tl,61, 1b) (15 n.d.Zw): „nachdem Caecina vorausgeschickt war, damit er die schwer zugänglichen Waldberge auskundschaftete und Brücken und Dämme über die Nässe der Sümpfe und gefährliches Gelände anlegte, betraten sie die traurigen Orte, die durch Anblick und Erinnerung schmachvoll waren“. T 1,61, 2a) „Das erste Lager des Varus zeigte durch den großen Umfang und die Abmessungen des Feldherrnplatzes die Hände dreier Legionen; weiterhin erkannte man an dem halbzerstörten Wall und dem flachen Graben, dass schon geschwächte Reste sich festgesetzt hatten“. Bei der Beschreibung des Tacitus kann es sich nur um das große Sommerlager des Varus handeln. Bei einem Marschlager würde man sechs Jahre später kaum noch Spuren dieser Legionen finden. Hier aber sieht man nach sechs Jahren noch die Arbeit von drei Legionen. Das Lager hat einen weiten Umfang und auch die Größe der Kommandantur wird besonders betont. Bei den Kämpfen scheinen weder die Wälle noch die Gräben, die das Großlager sicherten, zerstört worden zu sein. Allerdings erkennt man dann an einem halbzerstörten Wall und einem flachen Graben, dass sich dort noch einmal die geschwächten Reste der Legionen ein kleines Notlager entweder im Sommerlager oder neben diesem geschanzt hatten. Vielleicht dienten sogar Teile der Wallanlage des Sommerlagers zur Sicherung des kleinen Notlagers. (T 1,61, 2b) „Mitten im Feld bleichende Gebeine, wie sie geflohen waren oder Widerstand geleistet hatten, vereinzelt oder beisammen. T1, 61,39 Dabei lagen Teile von Wurfwaffen und Pferdegerippen zusammen mit an Baumstämmen befestigten Schädeln“. Wie war dieser grässliche Anblick möglich?! In einem germanischen Urwald würde nach sechs Jahren kaum noch etwas von den römischen Legionären auffindbar sein. Alles wäre von Unkraut, Gras und Sträuchern überwuchert. Da der Kampf aber im Sommerlager stattfand, lagen die bleichenden Gebeine auf der steinharten Oberfläche. Diese war mindestens ein halbes Jahr lang von einer Unmenge von Soldatenfüßen festgetreten worden. Natürlich wuchs so gut wie gar nichts mehr auf diesem verdichteten Boden. Nur so war es Germanicus möglich, die traurigen Orte noch sechs Jahre später in Augenschein nehmen zu können. Nach der Beschreibung des Tacitus erkannte man scheinbar trotz dieser vergangenen Zeit immer noch an der Lage der bleichenden Gebeine wie jeder einzelne Legionär zu Tode gekommen war, sei es auf der Flucht oder sei Widerstand geleistet worden; an Baumstämmen waren Schädel befestigt, das muss in der Tat ein grässlicher Anblick gewesen sein. In den benachbarten Hainen standen die Altäre der Germanen, an welchen sie die Tribunen und Centurionen Erster Ordnung geopfert hatten. Es lagen also in unmittelbarer Nähe des Sommerlagerschlachtfeldes heilige Haine. Hier opferten die Germanen den Göttern Tiere, Gefäße und Waffen, führten aber auch – wie bei diesem Geschehen – rituelle Hinrichtungen aus. Wer den Ort der Varusschlacht gefunden zu haben glaubt, sollte also in unmittelbarer Nähe eine germanische Kultstätte, einen heiligen Hain, nachweisen. Gegebenenfalls sind dort noch die Opfergruben archäologisch nachweisbar. Darüber wird noch zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich zu berichten sein. Nach den Überlieferungen der vier Schriftsteller Tacitus, Florus, Velleius Paterculus und Frontinus kann man nach Ansicht des Autors fast sicher sein, dass der Untergang der drei römischen Elite- Einheiten während der Gerichtsverhandlung im Sommerlager selbst und in der näheren Umgebung des Lagers stattgefunden hat. Auf keinen Fall wurden die Legionen auf dem Marsch vernichtet. Frontinus 2,9,4 ergänzt noch in seinen Ausführungen, dass Arminius die Köpfe derer, die getötet wurden, auf Lanzen gesteckt an die Palisade der Feinde bringen ließ, um die Hartnäckigkeit der Gegner zu brechen, dem Beispiel Sullas in Preneste folgend. Frontinus bestätigt praktisch die Beschreibung des Tacitus, dass sich geschwächte Reste noch mal im Sommerlager bzw. neben dem Sommerlager geschanzt hatten. Wie aber war es möglich, dass die späteste aller Überlieferungen der Varusschlacht durch Cassius Dio das Geschehen so anders darstellen konnte? Dio selbst hat erkannt, dass die Senatsunterlagen nicht ganz den Tatsachen entsprechen konnten. Gezielte Schönfärbereien und Desinformationen waren wohl auch für ihn zu erkennen. Trotz seiner Überzeugung, dass die Quellen manipuliert sein könnten, will er berichten und nicht berücksichtigen, ob sich die Dinge in Wahrheit so oder auf andere Weise zugetragen haben. Cassius Dios Berichte werden also kritiklos aus den Staatsarchiven übernommen, ohne sie mit anderen Quellen oder Überlieferungen abzugleichen. Wenn man sich nun kritisch mit seiner Schilderung über die Varusschlacht auseinandersetzt, dann sollte man prüfen, ob sich die Ereignisse überhaupt so zugetragen haben können. Welche Gründe sprechen gegen die Glaubwürdigkeit des Cassius Dios? a) Varus sei aus seinem Sommerlager ausmarschiert, um einen aufständischen germanischen Stamm zu befrieden. Alle anderen Überlieferungen erwähnen weder solch einen Marsch noch wird berichtet, um welchen Stamm es sich handeln soll, und welche Richtung das Heer genommen haben könnte. b) Die Römer sollen durch den germanischen Urwald abseits der Heerwege marschiert sein und die Wege durch undurchdringliche Wälder erst durch das Fällen übergroßer Bäume gangbar gemacht haben. c) Unablässiger Regen und Sturm sollen für ungünstige Bodenverhältnisse gesorgt haben. d) Baumkronen, die durch den Sturm abgebrochen waren, sorgten für zusätzliche Verwirrung. e) Der Marsch zu einem angeblich aufständischen Stamm wird ungeordnet mit Frauen und Kindern durchgeführt, abseits römischer Heerstraßen durch den germanischen Urwald. f) Wie sollte Germanicus sechs Jahre später noch die bleichenden Gebeine finden und bestatten, wenn dieser Kampf über ein Gebiet von 50-60 Kilometer stattfand. Die bleichenden Gebeine wären vom Gestrüpp, Büschen und Bäumen überwuchert und nicht mehr auffindbar. g) Beide Lagerpräfekten, L. Eggius und Ceionius sind in die Kämpfe verwickelt, da es sich um das Sommerlager handelte, auf dem Marsch wären diese nicht in die Kämpfe verwickelt. h) Die Angesehensten und alle Legionäre begingen Selbstmord (D 56, 22, 1). i) Drei nicht zum Kampf aufgestellte Legionen (T2,46,1b) hatten dienstfrei wegen Kaisers Geburtstag und können sich deswegen nicht auf dem Marsch befunden haben. Nach allen Überlegungen kann man sich nur der Meinung von Paul Höfer, Walther John, Ritter Schaumburg und Manfred Millhoff anschließen. Der Bericht des Cassius Dio ist eine einzige Märchenerzählung, die durch die gefälschten Senatsunterlagen in Rom entstand. Augustus ließ die Staatsarchive durch gezielte Desinformation derart manipulieren, dass Cassius Dio selbst an seinen überlieferten Quellen zweifelte. Nach Abwägen aller antiken Informationen komme ich zu dem Ergebnis: die Überlieferungen zur Varusschlacht der römischen Schriftsteller Florus, Velleius, Tacitus und Frontin lassen den eindeutigen Schluss zu, die Varusschlacht fand im und um das Sommerlager des Varus statt, als dieser auf dem Gerichtsstuhl mit Willkür und Hochmut selbstherrlich über Germanen richtete. Dieser Convent muss im Gebiet der Cherusker abgehalten worden sein (Dio D 56, 18, 5). Für den Ablauf der Varusschlacht lassen sich die Darstellungen aus den Quellen des Florus, Frontin, Tacitus und Velleins gut in Einklang bringen. Es soll jetzt der Versuch unternommen werden, eine Beschreibung des Schlachtgeschehens zu geben, wobei die Überlieferungen der antiken Quellen- mit Ausnahme die des Dio -als Grundlage dienen. Varus hielt sich mit seinen drei Elite-Legionen XVII, XVIII und XIX im Sommerlager bei Bad Driburg – Reelsen auf. Sein Aufenthalt diente anfangs nur der römischen Verwaltung, dem römischen Recht und der Eintreibung von Steuern. Dabei wurden die Germanen wie Untertanen behandelt und bestraft, ja sogar die Todesstrafe wurde angewendet. Arminius war im Jahre 8 n.d.Z.w. mit der von ihm geführten cheruskischen Reitereinheit siegreich aus dem Pannonischen Krieg zurückgekehrt; etwa zur gleichen Zeit starb sein Vater, der Cheruskerfürst Segimer, der mit Tiberius einen Vertrag abgeschlossen hatte. Um die Nachfolge wetteiferten Arminius, dessen Onkel Ingniomer und Segestes, der Schwiegervater von Arminius. Mit dem Tod des Cheruskerfürsten Segimer war der Vertrag mit der Römern erloschen und hätte wieder mit dessen Nachfolger erneuert werden müssen. Varus wusste das als ständig Rechtsprechender sicher ganz genau, wollte das wahrscheinlich gar nicht mehr, weil er die Germanen als Unterworfene betrachtete. Er hielt lieber Gerichtssitzungen über freie Germanen mit seinen verhassten Advokaten ab, denn nach Florus werden Provinzen zwar mit Gewalt erobert, aber durch Rechtsprechung werden sie gehalten. Die Germanen hassten den Hochmut des brutalen Varus nicht weniger als seine Willkür, denn dieser versuchte, sie statt mit dem Schwert durch Rechtsprechung zu bändigen. Trotz dieses Verhaltens des Varus wurden die Germanen von Arminius aufgefordert, möglichst viele erfundene Streitigkeiten vor dem Tribunal vorzutragen mit der Bitte, ein Urteil zu fällen. Je mehr Streitfälle, umso mehr bewaffnete Germanen befänden sich neben den germanischen Hilfstruppen im Lager. Das „Trojanische Pferd“ stand also bereits im Sommerlager, nur der Termin des Angriffes musste noch bestimmt werden.Von Velleius erfährt man, dass ein junger Mann von vornehmer Abstammung mit schneller Auffassungsgabe, der früher ständiger Begleiter der römischen Feldzüge war, die Sorglosigkeit des Varus zu einem Unheil nutzte. Er weihte zunächst nur wenige, später mehrere ein, dass die Römer überwältigt werden könnten und legte den Zeitpunkt für den Überfall fest. Er legte nur den Zeitpunkt nicht aber den Ort für den Anschlag fest, weil dieser sowieso bekannt war. Man wusste, dass nur ein Angriff auf das Sommerlager während der Gerichtsverhandlung für einen erfolgversprechenden Ausgang des Geschehens mit wenigen Verlusten auf germanischer Seite spräche. Die einzige Erfolg versprechende Strategie bestand darin, Varus zu einem für die Germanen günstigen Termin im Sommerlager anzugreifen.
Welcher Zeitpunkt für den Überfall wurde von Arminius ausgewählt?
Die Römer durften auf gar keinen Fall misstrauisch werden, dass sich die Zahl der Germanen, die in der Nähe des Sommerlagers eintrafen, zusehends anschwoll. Für eine solche Möglichkeit trafen nur ganz wenige Tage im Jahr zu. Ein Glücksfall für Arminius war die Zeit um den 23. September des Jahres 9 n.d. Zw., die er für seine Pläne genutzt haben sollte: an diesem Tag war nicht nur das Äquinoktium (Tag- und Nachtgleiche) -das germanische Neujahrsfest- sondern auch Vollmond und noch der Geburtstag von Kaiser Augustus. Nach Tacitus (Germania Kap. 11) waren die Mondphasen für die Germanen von großer Wichtigkeit. Voll- und Neumond versprachen Glück und Erfolg, weshalb man an solchen Tagen zu festlichen Anlässen und für alle Neubeginne zusammenkam. Die Germanen meinten nämlich, dass das der günstigste Zeitpunkt für den Beginn aller neuen Planungen wäre. Nach den Berechnungen von Dr. A. Bruch vom Astronomischen Institut der Universität Münster (zitiert nach Ritter Schaumburg S.125f) trat am 23. September 0 Uhr 29 Minuten Weltzeit Vollmond ein. Man sollte davon ausgehen, dass die Germanen an diesem Tag in den benachbarten heiligen Hainen um das Sommerlager in großer Zahl zusammenkamen, ohne dass es den Römern auffiel, weil diese davon ausgingen, dass man das Neujahrsfest feierte. Arminius konnte schon Monate vorher seinen eingeweihten Mitstreitern diesen Termin mitteilen, denn jeder wusste, wann die Tag- und Nachtgleiche und Vollmond waren. Auf diese Weise gelang ihm, eine sehr große Zahl germanischer Kämpfer in den heiligen Hainen zu versammeln, ohne das Misstrauen der Römer geweckt zu haben. Wo hat man nun diese heiligen Opferwälder zu suchen, die sich ganz in der Nähe des Sommerlagers befunden haben müssen? Geht man von Reelsen- Bad Driburg als Ort des Sommerlagers aus, dann werden sich die heiligen Haine auf dem Egge- Kamm befunden haben. Beim Blick auf die Landkarte sticht einem sofort ein Name ins Auge: Dübelsnacken –ins Hochdeutsch übersetzt – Teufelsnacken. Die Christen verwandten für die heiligen, heidnischen Plätze abschreckende Namen. So lassen alle Bezeichnungen mit dem Namen „Teufel“ auf alte germanische Kultplätze schließen. Die Christen veränderten die ehemals heiligen Orte zu Hinrichtungsstätten, um so die Orte ihren Nimbus der Heiligkeit zu nehmen. Aber auch bei den Germanen waren viele heilige Orte schon Hinrichtungsstätten, das heißt Opferstätten bei denen auch Menschen geopfert wurden. Besonders nach existentiellen Siegen wurde Odin oder Thor gedankt, indem man Kriegsgefangene in den heiligen Hainen opferte. Nach Tacitus wurden Gefangene der Varusschlacht Tribunen und Centurionen Erster Ordnung an den Altären der Germanen in den heiligen Hainen geopfert. Man kann davon ausgehen, dass diese rituellen Hinrichtungen ganz in der Nähe des Sommerlagers Reelsen auf dem Egge-Kamm- und zwar auf dem Dübelsnacken-- ausgeführt wurden. Während der Tag- und Nachtgleiche versammelten sich verabredungsgemäß eine große Anzahl germanische Kämpfer in den heiligen Hainen, um angeblich das germanische Neujahrsfest zu begehen; die Zahl der Germanen wird sicher so groß gewesen sein, dass sie es auch mit einem Drei-Legionen-Heer aufnehmen konnten. Marser, Brukterer und Cherusker siedelten in unmittelbarer Nähe. Auch das Chattengebiet war nicht fern. Die Römer ihrerseits hatten am 23. September 9 n.d.Zw. dienstfrei wegen des Geburtstages von Kaiser Augustus und des stattfindenden Conventes. Das wird durch Tacitus bestätigt, der in 2.46.lb Marbod sagen lässt: „Arminius sei wahnsinnig und nehme unwissend fremden Ruhm in Anspruch, nachdem er drei nicht zum Kampf aufgestellte Legionen und den keine Täuschung ahnenden Feldherrn durch Treulosigkeit überlistet habe, zum großen Unglück für Germanien und zu seiner Schande, da seine Gattin und sein Sohn noch weiter Knechtschaft ertragen würden.“ Auch dieser Aussage von Marbod widerspricht Dios „Erzählung“ auf dem Marsch, denn dann hätten die römischen Truppen kein dienstfrei. Die Wirklichkeit des Kampfgeschehens kann mit Dios Legende auf keinen Fall in Einklang gebracht werden und muß sich ganz anders zugetragen haben: dieser Feldzug des Varus im Jahre 9 n.d.Zw. in die Mitte Germaniens neigte sich dem Ende. Der Feldherr hatte seine Planungen im Herbst für die Rückkehr in die angenehmeren Winterquartiere sicher schon weit vorangetrieben. Ein entscheidender Konvent wurde abgehalten, bei dem Varus zum letzten Mal als Prätor beabsichtigte, über Germanen zu Gericht zu sitzen, und auch gleichzeitig die Steuern und neuen rechtlichen Bedingungen für das kommende Jahr festzulegen. Der römische Statthalter konnte nicht wissen, dass sein Sommerlager bereits von den germanischen Kampfverbänden der Chatten, Cherusker, Marser und Brukterern umstellt war. Es ist sicher, dass diese Stämme beteiligt gewesen sein müssen, da sie alle Beutestücke aus dem Varusheer besaßen und sich die Rachefeldzüge des Germanicus gegen sie richteten. Arminius hatte durch seine frühzeitigen Planungen das große Ziel erreicht: die Germanen standen bewaffnet im Sommerlager; und zwar sowohl Germanen, die an Gerichtsverhandlungen teilnahmen, als auch die Hilfstruppen, die wahrscheinlich im Gegensatz zu den römischen Stammlegionen heimlich bewaffnet waren. Im Sommerlager stand das Trojanische Pferd (die bewaffneten Germanen), nur der sorglose Varus war völlig unvorbereitet. Seine römischen Soldaten hatten dienstfrei, mit Ausnahme der Lagermannschaft. Die Soldaten hielten sich in ihren Zelten auf und feierten den Geburtstag von Kaiser Augustus. Sie waren in dem Moment, in dem die Germanen unter Führung von Arminius zuschlugen, waffenlos und verteidigungsunfähig, zum einen wegen fehlenden Schildes und fehlender Lanze, zum anderen aufgrund übermäßigen Alkoholgenusses. Varus, der sich wohl mehr als Jurist und Verwaltungsfachmann sah, überschätzte die Kampfkraft seiner Legionen und unterschätzte den Kampfeswillen und die Kampfkraft der Germanen. Während er als Prätor über Germanen richtete, begann Arminius mit seinen Kriegern, das Sommerlager zu stürmen. Zu Beginn des Angriffs wird Varus in dem Sommerlager von großem Ausmaß kaum die hoffnungslose Lage erkannt haben. Die ersten Angriffe nahm man irritiert zur Kenntnis und schätzte die Situation völlig falsch ein. Während dieser Zeit nahmen die Germanen die Legionsadler und Standarten in ihren Besitz, sie stürmten das Zeughaus, in dem die Waffen lagerten und nahmen die Offiziere fest, die greifbar waren. Die germanischen Gerichtsteilnehmer öffneten die Tore, so daß immer mehr Germanen in das Lager strömten. Aus den heiligen Hainen stürmte eine gewaltige Menge bewaffneter Germanen heran, die von den Lauten der Hörner über den Beginn des Überfalls unterrichtet wurden. Den römischen Soldaten war die Möglichkeit genommen, sich um die Feldzeichen geordnet zu sammeln, wegen fehlender Waffen und ohne ihre Offiziere waren sie nahezu handlungs- und kampfunfähig; niemand konnte den Soldaten Befehle geben, ohne ihre militärische Führung entstand ein heilloses Durcheinander. Der ihrer Waffen beraubte, engere Kern der Armee wurde von den heranströmenden Germanen niedergemetzelt.
Arminius und seine Gefolgsleute wussten ganz genau, daß sie keine große Gegenwehr bei dieser Strategie im Sommerlager zu erwarten hatten. Durch den Plan des Arminius wurden die eigenen Verluste niedrig gehalten, den Römern dagegen die höchst möglichen Verluste zugefügt. Als man die Situation auf Seiten der Römer richtig eingeschätzt hatte, daß nämlich der Aufstand der Germanen durch Überrumpelung im eigenen Sommerlager stattfand, war es schon für das eigene Überleben fast zu spät. Die dienstfreien Legionen wurden in dem unvorstellbaren Chaos fast ohne Gegenwehr abgeschlachtet. Da sich die Germanen inzwischen der Türme an den Toren bemächtigt hatten, konnten immer mehr germanische Kämpfe nachdrängen. Die Lage für Varus war schon zu Beginn des Überfalls wegen des Überraschungsmomentes fast hoffnungslos geworden. Die römische Reiterei unter Numonius Vala galoppierte davon und ging trotzdem zugrunde, wahrscheinlich auf dem Winnfeld bei Berlebeck. In dieser ausweglosen Situation versuchten Gruppen waffenloser Römer meist vergeblich ihr Heil in der Flucht, um das "nackte Leben" zu retten. Ein erheblicher Teil der Legionen, der aus dem Sommerlager entkommen konnte, wurde auf der Flucht nach Aliso und zum Rhein in Sümpfen und Wäldern niedergemetzelt. Es gelang wohl nur wenigen die Flucht aus dem Lager nach Aliso, das ca. 20km entfernt war. Die germanischen Legionäre im Sommerlager waren sicher ausnahmslos zu Arminius übergelaufen. Dennoch war die Lage für Varus nicht völlig aussichtslos; trotz des Desertierens der Reiterei und panischer Flucht vieler Soldaten zog sich Varus mit seinem verbliebenen Offizieren, Centurionen und den Resten der Eliteeinheiten in eine Ecke des Sommerlagers zurück, wo man noch einen kleineren Wall und einen flachen Graben anlegte. Aber selbst diese Notmaßnahmen nützten nichts mehr: Arminius greift dieses Notlager am folgenden Tag mit einer gewaltigen Übermacht germanischer Kämpfer an und überrannte es dann irgendwann am Ende des zweiten Tages. Als die Lage während des zweiten Kampftages für die Römer immer katastrophaler wurde, fällte der schon Verletzte Varus den Entschluß, sich selbst zu töten. Er stürzte sich in sein Schwert und verstarb. Man versuchte zunächst die Leiche des Varus zu verbrennen und beerdigte den nur halbverbrannten Körper. Später aber wurde der Leichnam von den Germanen wieder ausgegraben und man trennte ihm den Kopf ab. Arminius sandte den Kopf zu Marbod, wahrscheinlich mit der Hoffnung, dass sich dieser dem Aufstand anschloss.
Marbod widersetzte sich allerdings den Vorstellungen des Arminius, er unterstützte ihn nicht gegen die Römer: Marbod leitete den Kopf des Varus weiter nach Rom, wo dieser schließlich im Familiengrab beigesetzt wurde. Der Versuch der Römer, die Leiche des Varus zu verbrennen und zu bestatten war auf keinen Fall ohne ein Lager mit festgetretenem Boden vorstellbar. Man mache sich ein anschauliches Bild von dem Versuch, Varus mitten im Urwald Germaniens zu verbrennen; davon erzählt Dio gar nichts in dem überlieferten Text. Der Widerstand der Römer brach der Reihe nach immer weiter zusammen, besonders als die Germanen die aufgespießten Köpfe der getöteten Offiziere mit Speeren vor dem Wall des Notlagers aufstellten. Dieser grässliche Anblick demoralisierte die noch kämpfenden Soldaten und sorgte für Entsetzen und Bestürzung und brach auf diese Weise den Widerstand der Übriggebliebenen. Velleius berichtet, dass von den Lager-Präfekten der eine, Eggius, ein gutes, der andere, Ceionus, ein schimpfliches Beispiel gegeben haben, weil er lieber kapitulieren und hingerichtet werden wollte, als im Kampf zu sterben. Truppen, die auf dem Marsch waren, hätten sowieso nicht kapitulieren können; sowohl die beiden Lagerpräfekten wie auch die Kapitulation sprechen für das Kampfgeschehen in einem festen Lager. Nachdem Varus sich durch Selbstmord der Verantwortung entzogen hatte, gingen auch die Reste des Heeres unter. Wer nicht schon im Kampf gefallen war, wurde nach der "schändlichen" Kapitulation des Lagerpräfekten Ceionus (VII 119,4) gefangen genommen und anschließend am Galgen oder in Martergruben hingerichtet (T Am I 61).
Der Verrat des Segestes kann keine so große Rolle gespielt haben, wie bisher immer angenommen. Jede verdächtige Aktion der Germanen wäre sofort zum Scheitern verurteilt gewesen, wenn Segest vor dem Überfall wirklich die Anschlagspläne des Arminus dem Varus verraten hätte, wie er Germanicus weißmachen wollte. Wie kam Segest dann in Besitz von Beutestücken der Varusarmee. Nach seinen eigenen Bekundungen hatte er sich gar nicht an der Varusschlacht beteiligt, dennoch hatte er Beute gemacht, die er Germanicus anläßlich seiner Befreiung übergab. Es spricht alles dafür, dass Segest von einem schnellen Sieg des Germanicus über die Germanen ausging und deshalb Arminius verriet. Mit den Planungen und den Überfall auf das Sommerlager war Segest sicher einverstanden. Erst als Germanicus mit einem riesigen Heer in Anmarsch war, schwenkte er auf die Seite der Römer ein. Die Aussage des Segest beschuldigt Varus als alleinigen Sündenbock dieser Katastrophe.
Der Neffe von Varus, Asprenas, der zwei Legionen befehligte, muss sich zum Zeitpunkt des Überfalles westlich des Sommerlagers aufgehalten haben. Hätte er sich im Bereich der Weser befunden, wäre er mit seinen zwei Legionen den Germanen sicherlich nicht entkommen. Wahrscheinlich war sein Standort zu Beginn der Varusschlacht beim Römerlager Aliso. Da sein Onkel schon gleich nach dem Überfall in eine fast hoffnungslose Lage geraten war, entschloss sich Asprenas, in Eilmärschen die Römerlager am Rhein zu erreichen. Durch diese mutige, umsichtige Entscheidung verhinderte er den Aufstand der linksrheinischen Stämme, die schon schwankend waren in ihrer Loyalität zu Rom. Dass sich Asprenas im Bereich Aliso aufhielt während Varus im Sommerlager zu Gericht saß, spricht dafür, dass Varus doch nicht so vertrauensselig war, wie immer behauptet. Wahrscheinlich hat er seinem Neffen Asprenas aus Sicherheitsgründen den Befehl erteilt, nach Aliso zu ziehen, weil er durch Aufstandsgerüchte misstrauisch geworden war. Asprenas sollte seinem Onkel den Rücken freihalten und vor allem den Rückzug zum Rhein für den Notfall absichern. Dass Varus mit drei Legionen schon nach kürzester Zeit in eine so hoffnungslose Situation geriet, hatte man vorher sicher nicht für möglich gehalten; die nötige Hilfe seines Neffen Asprenas wäre sicher nicht nur zu spät gekommen, er hätte die beiden restlichen römischen Legionen auch noch dem Risiko der Vernichtung ausgesetzt. Für Asprenas war es sicher mehr als schwierig die richtige Entscheidung zu treffen.
Aliso konnte sich trotz eines großen Ansturms der Germanen als einziges römisches Lager auf der rechtsrheinischen Seite verteidigen. Grund hierfür war, dass Asprenas die Auxiliareinheiten dieser Legionen in Aliso zurückließ; denn nach dem Bericht des Zonaras befanden sich in Aliso Bogenschützen, was auf die Anwesenheit von Auxiliartruppen hinwies. So konnte das Römerlager als einziges den Angriffen der Germanen widerstehen und gleichzeitig die entkommenden Überlebenden der Varusschlacht aufnehmen. Der römische Historiker Cassius Dio hat beschrieben, dass Varus im Jahre 9 n.d.Zw. irgendwo an der Weser oder auf die Weser zu sein Sommerlager aufschlug. Von dort aus maschierte er los in die entscheidende Schlacht mit den Cheruskern. Tacitus, die zweite zeitgenössische Quelle, wiederum beschreibt den Weg des Germanicus, der sechs Jahre nach der verheerenden Schlacht mit Überlebenden das Schlachtfeld aufsuchte. Der designierte römische Kaiser landete an der Emsmündung, maschierte mit seinen Truppen südlich bis zu den äußersten Grenzen der Brukterer, "dort wo Ems und Lippe parallel laufen", ein Gebiet ungefähr zwischen Münster, Detmold und Paderborn gelegen. Von dort aus (von den Quellen der Ems und Lippe) sei es bis zum Schlachtfeld, im Waldgebirge nicht weit gewesen. Warum, so fragt sich Berke berechtigterweise, habe Germanicus einen Umweg so weit nach Süden machen sollen, wenn er doch genau wusste, wo das Schlachtfeld zu finden sei?" Germanicus schlug diese Richtung ein, weil er genau wusste, wo der Ort der Varusniederlage aufzusuchen war. Auch die Schwertscheide der Legio Prima Augusta, eine Caecina Legion, stellt den Ort des Schlachtfeldes in Frage. Wie man dem Museum Kalkriese entnehmen kann, sind tausende Fundgegenstände kartiert, seltsamerweise ist nur ein einziger Fund eindeutig den Germanen zuzuordnen (ein Rittersporn). Wie ist das möglich? Mit welchen Waffen haben die Germanen gegen die Römer gekämpft? Wahrscheinlich haben sie mit römischen Waffen gekämpft, die während und nach der Varusniederlage erbeutet wurden. Der Versuch, durch eine numismatische Datierung den Beweis für die Varusschlacht-Hypothese Kalkriese zu führen, ist bisher nicht gelungen und wird auch zukünftig nicht gelingen; Tatsache ist, dass 8 Legionen des Germanicus im Jahr 15 und 16 n.d.Zw. das Schlachtfeld aufgeräumt haben. Es ist völlig ausgeschlossen, dass bei der Vielzahl an Soldaten keine Münzen später als 9 n.d.Zw. in den Erdboden gelangt sein sollen. Beweiskräftig sind einzig und allein Ritz- oder Punzinschriften (erhabene oder vertiefte Metallarbeiten) auf Fundobjekten. Nur sie können Aufschluss über die im Kampf beteiligten Legionen geben. Wertet man nun die Fundobjekte vom Kalkrieser Schlachtfeld aus, dann stellt man fest, dass es durchaus Funde mit der Inschrift I und V gibt; diese weisen auf die I. und V. Legion des Caecina hin: Fundobjekte mit Ritz- und Punzinschriften der drei Varuslegionen (XVII, XVIII, XIX oder XVIIII) sind bisher in Kalkriese nicht gefunden worden und werden wohl nach nunmehr über zwanzigjähriger Grabungen auch nicht mehr gefunden werden. Zum gegenwärtigen Erkenntnisstand ist festzustellen, dass eine eindeutige, wissenschaftlich fundierte Aussage, in Kalkriese hätten die 17. ,18. und 19. Legion gekämpft, nicht zulässig ist.
1.) Tacitus (Ann,I,60,3) beschreibt die Lokalisierung in der Region Ostwestfalen-Lippe:" Von dort aus führte man den Heereszug in die entferntesten Gebiete der Brukterer und verwüstete das Land zwischen Ems und Lippe, nicht weit vom Waldgebirge, wo die Überreste des Varus und der Legionen unbestattet liegen sollen." Höfer weist darauf hin, dass Mommsen, " ehe er durch die Münzen von Barenaue abgelenkt wurde“ im fünften Band seiner Römischen Geschichte (S.47f)" die Ansicht teilte, dass die Varusschlacht in der "Gegend des Lippischen Waldes" zu suchen sei.
2.) Schlüter (1999.S.l4ff) hat einen alten Weg im Engpass von Kalkriese nachgewiesen. Auch Wiegels (1999.S.652) kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei dieser "von den Römern gewählten Route durchaus um einen alten Verkehrsweg handelt". Die Auffassung, dass auf diesem Weg die Varus-Legionen vernichtet sein könnten, steht konträr zu allen historischen Quellen. Bei der Beschreibung der Schlacht wird nirgends auf "einen bekannten Weg hingewiesen- allerdings trifft das auf die Beschreibung für den Kampf mit Caecina (15n.d.Zw) zu.
3.) Wolters (KLIO 2003:S.l59) äußert sich zu den Vorstellungen der Kalkrieser Archäologen einen ausgegrabenen Wall betreffend folgendermaßen: „Nun scheint aber… die Vorstellung, in lang auseinandergezogener Formation, dicht an einem Wall vorbeiziehender Römer, die dort den Angriffen der geschützten Germanen... wehrlos ausgeliefert waren,…eigenartig naiv.“ Er äußert seine Zweifel an dem Wall sowohl in seiner behaupteten Länge als auch in der behaupteten Funktion als Hinterhalt der Germanen gegen die Römer. Während bei Caecina Kämpfe an einem Wall zwischen Römern und Germanen beschrieben werden, gibt es in den Überlieferungen kein derartiges Kampfgeschehen während der Varusschlacht. Zudem ist die Höhe und Lage des Walles geradezu lächerlich, einer ausgebildeten Armee ein unüberwindbares Hindernis zu bilden.
4.) Aus archäologischer Sicht lassen sich in Kalkriese, streng wissenschaftlich betrachtet, keine germanischen Krieger durch Funde nachweisen.
5.) Das Kampffeld liegt mitten im Lande der Angrivarier; dieser germanischer Stamm wird von keiner Überlieferung als Beteiligter an der Varusschlacht erwähnt. Erst im Jahre 16 n.d.Zw. kämpfen die Angrivarier auf cheruskischer Seite.
6.) Von Strabon erfährt man in seiner Geographika (7.1.4.4): gegen diese Völker ist Misstrauen von großem Nutzen, weil diejenigen, denen man traute, den größten Schaden angerichtet haben, wie zum Beispiel die Cherusker und ihre Verbündeten, in deren Gebiet drei römische Legionen mit ihrem Feldherrn Quintilus Varus unter Vertragsverletzung hinterhältig vernichtet wurden. Der Kalkrieser Engpass liegt also nicht nur sehr weit von der Lokalisation des Varusschlachtfeldes des Tacitus entfernt sondern auch im Lande der Angrivarier.
7.)Betrachtet man die Rachefeldzüge des Germanicus, so war in den Jahren 14 und 15 die römische Strategie aller Stämme, die mit den Cheruskern verbündet und benachbart waren Chatten, Marser, Brukterer einzeln in eien solchem Maße zu schwächen, daß sie Arminius nicht mehr zur Seite stehen konnten. Nach dem Verlust seiner befreundeten Bundesgenossen sollte das Endziel der Römer der Vernichtungsschlag gegen Arminius selbst und seinen Stamm sein. Nach der Unterwerfung der Cherusker stände dann dem Durchzug der römischen Truppen bis zur EIbe nichts mehr im Weg. Wie verhält es sich denn nun mit der topographischen Lage von Kalkriese? Es gibt dort Hügel (keine Berge) auf der einen Seite und Moor auf der anderen Seite. Das ist zwar ein Engpaß, aber dazwischen befindet sich ein ca. 200 Meter breiter gangbarer Streifen, eine bedeutende Straße auf der sich die Römer hätten formieren können. Diese Militärstraße wurde von Germanicus im Jahr 16 n.d.Zw. zweimal genutzt, als er an die Weser und wieder zurück zog. Auf einer so breiten Straße hätte man Varus nicht schlagen können, weil sich seine Truppen hätten formieren können.
8.) Als Beweis für die Varusschlacht Kalkriese gelten auch Maultierknochen und Wagenreste, wobei vergessen wird, dass Varus am vorletzten Tag der Endschlacht seinen Tross verbrannt haben soll (nach Dios gängiger Lehrmeinung).
9.) Es fehlt auch eine Erklärung für das fast vollständige Fehlen germanischer Waffen. Mit ziemlicher Sicherheit werden die Germanen mit den erbeuteten hochwertigen Waffen der Varusschlacht gekämpft haben; auch das spricht eindeutig gegen die Varusschlacht in Kalkriese.
10.) Wo befindet sich der Tumulus, in dem ca. 20.000 Skelette beigesetzt worden sein sollen? In Kalkriese wird der erwähnte Grabhügel in Zweifel gezogen und durch Knochengruben für eine winzige Anzahl an Menschen ersetzt. Der Grabtumulus muss sich in der Nähe des Schlachtzentrums befinden, wo die Opferzahl während der Schlacht besonders hoch war. Er muß sich gerade in der Nähe der höchsten Anzahl übrig gebliebener Skelette befinden; ausgerechnet Knochengruben im Zentrum des Schlachtgeschehens sind völlig widersprüchlich, im Schlachtzentrum nahezu auszuschließen.
11.) Varus unterlag den verbündeten germanischen Stämmen der Cherusker, Chatten, Marser und Brukterer. Wie soll es Arminius gelungen sein, die verschiedenen Stämme der Germanen über eine Entfernung von 100-150 km zu mobilisieren, ohne das es der römischen Aufklärung auffiel? Ein Heer von ca. 20.000 Kämpfern musste versorgt werden, und das konnte für die Römer niemals unauffällig organisiert werden. Das Sammeln des germanischen Heeres aus den genannten Stämmen unmittelbar vor der Varusschlacht hätte mit Sicherheit den Argwohn der in Germanien stationierten Römer erweckt. Die Varusschlacht kann sich demnach nur im Grenzgebiet der vier genannten Stämme Cherusker, Chatten, Marser und Brukterer zugetragen haben. Es wurde bereits beschrieben, wie es den Germanen wahrscheinlich gelingen konnte, tausende von Kämpfern in die Nähe des Kampfplatzes zu bringen, ohne dass die Römer Verdacht schöpfen. Der Fundort Kalkriese liegt, wie bereits Knoke feststellte, zu weit nördlich um mit der Varustragödie in Verbindung zu stehen.
12.) Niemand zwingt die Archäologen von Kalkriese, den Fundort einem bekannten Ereignis zuzuordnen. Ein Wissenschaftler kann eine derartige Festlegung nur treffen, wenn eindeutige Beweisstücke vorliegen, in diesem Falle müssten Legionserkennungen auf Punz- oder Ritzinschriften vorliegen. Für die Wissenschaftler sollte dieLegionserkennung LPA ( legio prima augusta) auf dem Mundblech einer Schwertscheide für die Identifizierung der beteiligten Truppen von größter Wichtigkeit sein; die Legion deutet auf Caecina hin, der hier wohl die "langen Brücken" reparieren sollte. Punz- und Ritzinschriften der XVII., XVIII. oder XIX. Legion, die auf deren Anwesenheit schließen lassen könnten, fehlen in Kalkriese gänzlich.
13.) Kalkriese als Ort der Varusschlacht entstand nur deshalb, weil man die Erzählung des Dio Cassius viel zu ernst genommen hat. Die oberflächliche Überlieferung des Dio vom Schlachtgeschehen auf dem Marsch durch den germanischen Urwald mit Frauen und Kindern, Bäume fällend, abseits aller Heerwege ist keinesfalls annehmbar. Velleius, Florus, Frontinus und Tacitus verlegen übereinstimmend den Ort in das Sommerlager des Varus. Die Ausmaße dieses Lagers waren nach den Schilderungen des Tacitus so groß, daß die topographische Lage in Kalkriese kaum Platz für ein so großes Lager böte.
a.) Velleius spricht davon, daß das Heer eingeschlossen wurde „durch die Schlaffheit des Führers, die Hinterlist des Feindes und ein ungerechtes Schicksal. Nicht einmal eine straflose Gelegenheit zum Kampf oder Ausbruch war gegeben. Das Heer wurde von Wäldern, Sümpfen und Hinterhalten eingeschlossen und niedergemetzelt“ (Vell 119,1 ff). Die Wälder und Sümpfe haben das Sommerlager des Varus eingeschlossen, denn innerhalb des Lagers, in welchem Varus wie ein Stadtprätor auf dem Forum Recht sprach (Vell 118,1 ff). b.) Florus (Fl 2,30.29-39) spricht von einem abgehaltenen Landtag, von Sorglosigkeit, mit welcher Varus die Germanen zu Gericht vorlud, und dass die Germanen von allen Seiten in das Lager hereinbrachen. Nichts war blutiger als das Gemetzel in Sümpfen und Wäldern. c.) Tacitus (Nr. 15, strat 2,9,4) berichtet, dass Arminius die Köpfe derer, die er getötet hatte, aufspießen und an den feindlichen Wall herantragen ließ.
14.) Die Überlebenden der Varusschlacht flüchteten zu dem an der Lippe liegenden Römerlager Aliso. Man weiß zwar noch nicht genau, wo dieses zu lokalisieren ist; es ist aber eine Tatsache, daß die Lippe etwa 110 km von Kalkriese entfernt liegt. Warum gab es keine Streuung der Flüchtenden entweder an die Ems oder an den Rhein, wohin eine Flucht viel logischer wäre. Die Route führt durch das Gebiet aufständischer Stämme. Von Kalkriese nach Xanten handelt es sich um eine Entfernung von ca. 160 Kilometern. Warum sollten sich die Überlebenden von Kalkriese durch feindliches Gebiet ca. 110 Kilometer nach Aliso an der Lippe durchgeschlagen haben, wenn der Fluchtweg nach Xanten nur 50 Kilometer weiter ist. Von Aliso ist bekannt, dass es nach der Varusschlacht von den Germanen belagert wurde, und der Ausbruch aus diesem Lager für die Römer verlustreich war. Die Überlebenden würden bei nur 50 Kilometern Unterschied ganz bestimmt die erheblich sichere Lage von Castra Vetera bevorzugt haben.
15.) Während der Varusschlacht wurden Centurionen und Vorgesetzte in den benachbarten heiligen Hainen auf den Altären der Germanen geopfert, Galgen errichtet und Martergruben gebaut. Trotz zwanzigjähriger Grabungen fehlt bis heute zu allem noch jede Spur.
Es ist davon auszugehen, dass die Legionäre der zwei Asprenas-Legionen (V und XXI), die später von Caecina geführt wurden, ihren Sold aus den Münzvorräten der vernichteten Varuslegionen der XVII, XVIII und XIX erhielten. Man muss sich fragen, wo Asprenas sich mit seinen zwei Legionen während der Varusschlacht aufhielt, und von welchem Ort aus er seine Legionen unversehrt durch Eilmärsche in die unteren Winterlager rettete. A. Renner (Neue Erkenntnisse über die Hermannschlacht im Teutoburger Wald, 1970,S.41) gibt einen wichtigen Hinweis. Er fragte sich zu Recht: wo befand sich der Legat Asprenas mit seinen Legionen zum Zeitpunkt der Varusniederlage? Es ist bekannt, daß Asprenas nach der Niederlage des Varus, noch vor Eintreffen des Tiberius, die Reste der Rheinarmee in die unteren Winterquartiere führte. Nur durch sein mannhaftes Verhalten wurde sein Heer unversehrt aus der Katastrophe gerettet. Die Mitteilung des Velleius (II,120,3) lässt Varus gar nicht so dumm, träge und vertrauensselig erscheinen, wie er von den Quellen charakterisiert wird. Alles spricht dafür, daß Varus seinen angeblichen Freund Arminius misstraute; denn wie sollte Asprenas sonst seine Legionen unversehrt aus der Katastrophe retten können, wenn er sich nicht in der Nähe des Sommerlagers des Varus zur Absicherung Richtung Rhein aufhielt. Wahrscheinlich war sein Standort entweder in Aliso oder Anreppen. Als Asprenas dann von dem Angriff auf seinen Onkel Varus erfuhr, wurde seine Truppe sofort in Alarmbereitschaft gesetzt, um diesem zu helfen. Während der Vorbereitung zum Abmarsch wurde er dann durch neu eingehende Nachrichten davon überzeugt, daß Varus, der sich nach dem Angriff in kürzester Zeit in hoffnungsloser Lage befand, nicht mehr zuretten war. Statt das abmarschbereite Heer Richtung Sommerlager zu führen, entschied er sich "schweren Herzens", die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen, um die Katastrophe nicht noch zu vergrößern. Die Lagermannschaft von Aliso wurde durch Auxiliareinheiten (Bogenschützen) des Asprenas verstärkt. Aliso konnte dadurch noch solange gehalten werden, wie die Verpflegung reichte. Nur so gelang es noch weiterhin die Überlebenden der Varusschlacht in Aliso aufzunehmen. Zonaras (10,37): „Die Barbaren aber nahmen sämtliche Befestigungen in Besitz, mit Ausnahme einer einzigen ….in der konnten sie die Festung doch nicht erobern, da sie sich auf die Belagerungskunst nicht verstanden, die Römer aber über zahlreiche Bogenschützen verfügten, mit deren Hilfe die Feinde wiederholt zurückgeschlagen wurden und sehr schwere Verluste erlitten“. Auf dem Rückmarsch zum Rhein haben Asprenas und seine Legionäre alles im Lager Haltern geräumt was wertvoll und transportierbar war. Archäologische Untersuchungen in Haltern wiesen auf die geplante aber eilige Räumung durch die römischen Truppen hin. Natürlich hatte man es ganz besonders auf die Münzschätze der toten Kameraden der Varusarmee abgesehen. Nachdem man sich nun die Münzen aus dem Lager Haltern geteilt hatte, verfuhr man anschließend genauso mit den Münzen aus dem Nachlass der toten Kameraden aus Castra Vetera und Novaesium. Nach der Bestattung der bleichenden Gebeine der Varusarmee erhielt Caecina den Auftrag, mit seinen vier Legionen (I, V, XX, XXI) auf bekannten Wegen an den Rhein zurückzumarschieren, wobei er die "langen Brücken" wieder reparieren sollte. Aus der topographischen Beschreibung des Tacitus geht eindeutig hervor, daß er as Gelände von Kalkriese für die Caecinaschlacht schildert. Nun behaupten die Osnabrücker Archäologen immer wieder, daß sie die Münzen der Varuslegionäre gefunden hätten. Die Archäologen haben zwar Recht, daß sie die Münzen der Varuslegionen ausgegraben haben, vergessen aber, daß die Caecinalegionäre sie verloren haben. Sie kamen durch Nachlaßraub in den Besitz der V. und XXI. Legion; diese waren in Kalkriese in schwere Kämpfe verwickelt und hatten große Verluste, wobei die Varusmünzen verloren gingen.
Die von Tacitus wiedergegebene Überlieferung der Germanicus-Rachefeldzüge Richtung Varusschlachtfeld, an deren Wahrheitsgehalt man nicht zweifeln sollte, weist uns den richtigen Weg zum Sommerlager. Bei den vier römischen Schriftstellern Velleius Paterculus, Frontinus, Florus und Tacitus wird das Sommerlager des Varus beschrieben, in dem Varus über Germanen als Prätor richtete. Wo der Richterstuhl des Varus gestanden haben wird, vor dem die Germanen ihm ganze Reihen erdichteter Rechtsstreitigkeiten vorheuchelten, wurde bereits in anderen Kapiteln dieses Buches erarbeitet. Varus hatte sein Heerlager natürlich nicht an einem beliebigen Ort aufgeschlagen, sondern an einem Pass über den Teutoburger Wald oder das Egge-Gebirge, wobei er das Gebirge bereits überschritten haben wird. Von diesem Standort diente ihm die Lippe-Versorgungslinie, der Lippe- Heerweg und das Römer-Lager Aliso als Rückzugslinie und Absicherung bei eventuellen Angriffen germanischer Feinde. Sein Neffe Asprenas wird sich, im Moment des Überfalls in Aliso oder Anreppen mit zwei Legionen zum Schutz des Sommerlagers aufgehalten haben. Das Sommerlager des Varus wurde mit großer Wahrscheinlichkeit in Reelsen-Bad Driburg geschanzt, weil sich der Überfall nur im Grenzgebiet der vier verbündeten Stämme der Cherusker, Chatten, Marser und Brukterer zugetragen haben kann. Allein so konnte es Arminius gelingen, die Soldaten der vereinigten Stämme in die Nähe des Überfallortes zu bringen. Der Pass über das Egge-Gebirge bei Altenbeken liegt genau in der Mitte des Grenzgebietes dieser vier germanischen Stämme. Bei der Suche nach verdächtigen Lagerstrukturen ist die neue Computer-Technik von Google-Earth sehr hilfreich. Man erkennt beim Blick aus der "Vogelperspektive", dass die bekannten Römerlager an der Lippe, Holsterhausen, Haltern, Oberaden, Anreppen und Aliso in Richtung des Eggegebirges und der Weser führen, wobei die Egge bei Altenbeken nach Reelsen überquert werden muß. In dieser Region sollte die Suche nach dem Sommerlager des Varus beginnen!
Pfarrer Dr. Gotthardt aus Pömbsen verlegte den Ort der Varusschlacht in den Westen Reelsens und schrieb im Jahre 1923 (Reelsen in Geschichte und Sage): "Reelsen ist in seiner einmaligen Lage in der Nähe des Eggegebirges und des Teutoburger Waldes die Stätte epochemachender historischer Vorgänge. In dem muldenförmigen, nach Bembüren sich zusammenziehenden Gefilde tobte ohne Zweifel die Entscheidungsschlacht zwischen den Deutschen und Römern. Römische Hufeisen sind wiederholt gefunden worden und stimmen mit den als echt anerkannten in den antik-römischen Museen überein. Römische Götterfiguren en miniature sind nicht minder bei der Anlage von Grenz- und Drainagegräben und sonstigen Grabungen gefunden worden. Ebenso sind hier und da angebrannte Pilen, Wurflanzen und Schwertknäufe aufgestöbert worden. Bedauerlich ist nur, dass die vereinzelt auftretenden römischen Funde in Privathänden bleiben." Die Festlegung des Varusschlachtortes auf Reelsen seitens des Pfarrers Gotthardt scheint sich nach fast einem Jahrhundert zu bestätigen; denn nach der Auswertung von Infrarot-Luftbildaufnahmen von Herrn Koch sind in Reelsen mehrere Römerlager unterschiedlicher Größe zu erkennen.
VII.) Zusätzliche Hinweise für die Anwesenheit der Römer im Bereich Reelsen, Bembüren geben der Romberg und der Name Herke-Straße (Her-cu-les-Straße). Die Herke-Straße führt zum Nackenberg; da Nacken selbst schon Berg bedeutet, ist nicht auszuschließen, dass der Nackenberg früher Herkules-Nacken hieß. Am Nackenberg entspringt heute noch eine heilige Quelle, der Ostersiek. Die Göttin Ostara wurde von den Germanen verehrt; die Quelle war ein Heiligtum für die Göttin Ostara. Neben diesem germanischen Quellenheiligtum, das dem religiösen Dienst der Ostaragottheit gewidmet war, spricht vieles dafür, dass sich um die Römerlager von Reelsen weitere den Göttern geweihte heilige Haine und Wälder befunden haben müssen, denn diese germanischen Kultstätten wurden in christlicher Zeit umbenannt in Dübelsnacken (Teufelsnacken) und Trötenberg.
Im Zusammenhang mit der Varusschlacht lagen die heiligen Opferwälder in unmittelbarer Nähe des Schlachtgeschehens. War die Suche nach dem Schlachtfeld erfolgreich, müsste man in diesen heiligen Hainen heute noch archäologische Nachweise erbringen können: Opfergruben, in denen die gefangenen Tribunen und Centurionen hingerichtet wurden Auf Grund der (vorausgegangenen, theoretischen) Studien wurde damit begonnen, durch eigene Untersuchungen zu konkreten Ergebnissen zu kommen. Durch die Spatenwissenschaft können sich außergewöhnlich glückliche Bodenfunde allein als Geschichtsquellen erweisen. Die geschichtliche Frage nach dem Ort und dem Verlauf der Varusschlacht schob sich von selbst nach dem Studium der historischen Überlieferungen in den Vordergrund, besonders nach der Kalkrieser Behauptung, dort den Ort der "Schlacht im Teutoburger Wald" gefunden zu haben. Es ist einfach unbegreiflich, mit welcher Unbekümmertheit man sich dort in Widerspruch mit den Überlieferungen der römischen Schriftsteller setzt; diese historischen Quellen geben uns eindeutig geographische Grundlagen für den Ort der Varusschlacht: danach kann die Schlacht nur in der Gegend um die Grotenburg-Teutoburg stattgefunden haben, wo die Grenzen der germanischen Stämme der Marser, Brukterer, Cherusker und etwas südlicher die der Chatten zusammenstoßen. Kalkriese liegt dagegen im Siedlungsgebiet der Angrivarier und ist viel zu weit entfernt. Auch das römische Kastell Aliso, das nach der Überlieferung an der Lippe geschanzt wurde, hätte bei einer derartigen Entfernung von Kalkriese niemals als Zufluchtsort für Überlebende der Katastrophe dienen können. Nach Tacitus hat der Zusammenbruch der Varianischen Heeresmacht in einem Waldgebirge, das sich in der Nähe einer Teutoburg befindet, stattgefunden. Es gibt nur eine Burg, die den alten Namen beanspruchen kann, und das ist die Teutoburg-Grotenburq bei Detmold. In den letzten Jahrhunderten handelte sich die Meinungsverschiedenheit wegen der Örtlichkeit der Schlacht lediglich um die Frage, ob der Ort nördlich, östlich, südlich oder westlich der Teutoburg -Grotenburg zu suchen wäre. Der Teutoburgiensis saltus ließ diesen berechtigten Streit natürlich zu. Inzwischen wurde die Schlacht durch Auslegungskunststücke -besonders durch Mommsen- an alle möglichen Stellen, wo römische Bodenfunde sich boten, verlegt. Die alte Überlieferung mit ihrer völligen Übereinstimmung geschichtlicher, militärischer und geographischer in Betracht kommender Umstände weist jedoch den richtigen Weg zum Auffinden des Varusschlachtfeldes. Nach Auswertung der überlieferten Hinweise und Ereignisse ist das Varusschlachtfeld in der Nähe oder gar um die Teutoburg-Grotenburg bei Detmold zu lokalisieren. Das Herrmannsdenkmal auf der Grotenburg befindet sich nach Auffassung des Autors am richtigen Standort und muss nicht -wie vom "Kalkriesekastell“ gefordert - nach Bramsche versetzt werden. Nach jahrzehntelangen Forschungen gelangte der Verfasser zu der Überzeugung, das Sommerlager des Varus befand sich südlich der Grotenburg bei Reelsen/Bembüren. Hier wurden die drei Varus Legionen in ihrem eigenen Sommerlager selbst überfallen, während Varus einen Konvent abhielt. Da Varus von dem Überfall völlig überrascht wurde, befanden sich seine Legionen schon zu Beginn des Angriffs in hoffnungsloser Lage. Die dienstfreien Legionen wurden in einem unvorstellbaren Chaos niedergemetzelt; das war auch der Grund, warum der Neffe des Varus, Asprenas, mit seinen zwei Legionen von Aliso oder Anreppen die Flucht zum Rhein antrat, statt seinem Onkel Varus zur Hilfe zu eilen. Auch die Reiterei des Vala Numonius galoppierte in dieser für Varus völlig hoffnungslosen Lage davon und wurde wahrscheinlich auf dem Winnfeld bei Berlebeck aufgerieben. In dieser auswegslosen Situation versuchten Überlebende der Varusschlacht ihre "nackte Haut" zu retten, indem sie versuchten sich nach Aliso und zum Rhein durchzuschlagen. Einem Teil der fliehenden und zurückeilenden oder versprengten römischen Legionäre gelang vielleicht der Durchbruch; viele werden auch versucht haben, gesperrte Pässe zu umgehen, indem sie weiter entfernt liegende scheinbar sichere Übergänge wählten. Am Ende wurden die Reste der versprengten römischen Einheiten entweder gefangengenommen oder gingen kämpfend unter. Der Hauptort der Varusschlacht befand sich allerdings im wahrscheinlichen Sommerlager des Varus bei Reelsen-Bembüren. Für diese Behauptung sollen inzwischen gefundene Beweise dienen, die vom Verfasser mit einem treuen Weggefährten auf den abgeernteten Feldern von Reelsen gefunden wurden. Im Gegensatz zu Kalkriese, wo römische Münzfunde genau bis zum Jahr 9 n.d.Zw. datiert werden - was wissenschaftlich keinesfalls haltbar ist -wurden in Reelsen mehrere Punz- und Ritzinschriften der XVII. und XIX. Legion gefunden. Auch weitere Indizien sprechen dafür, dass dort Drusus zunächst ein Römerlager schanzte, das von Tiberius später ausgebaut wurde. Auf diesen Römerlagern hat dann Varus sein Sommerlager angelegt, das nicht weit weg von Aliso entfernt sein kann, denn Drusus schanzte dieses Lager "den Feinden vor die Stirn", nachdem er fast bei Arbalo von den Germanen vernichtet wurde. Nutzungsbedingungen der Dokumente: Alle Rechte an Text und Bild verbleiben bei Dr. Peter Eisermann. Verwendung oder Vervielfältigung zu privaten oder schulischen Zwecken sind gestattet; Vervielfältigungen zu gewerblichen Zwecken - auch in Auszügen - ohne ausdrückliche Genehmigung von Dr. Peter Eisermann sind untersagt!
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Reelsen-Bad Driburg Fundstück: Römische Münze (Augustus) und Stein Reelsen-Bad Driburg Reelsen – Bad Driburg Auf der linken Seite Fotomontage einer Varusmünze Die Sensation der Varusschlachtforschung Punz – und Ritzinschriften der untergegangenen XVII. Und XIX. Varuslegionen in Reelsen – Bad Driburg
Fundstücke: Römerlager Reelsen Bad Driburg
Fundstücke: Bronzezeit Reelsen Bad Driburg Römerlager Reelsen - Bad Driburg
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